Nea Schmidt *1995 in Leipzig. BA Studium Individuale, Lüneburg. BA Literarisches Schreiben, Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Residenzen u.a. an der Hebräischen Universität Jerusalem, im Künstlerhaus Edenkoben, am LCB Berlin und Art Omi New York. Nea Schmidt ist Teil des Lyrikkollektivs fährten. Veröffentlichungen zuletzt in Bella Triste, Edit, Manuskripte, Perspektive, Literatur und Kritik. Übersetzungen für Merve. Gewinn des 33. Open Mike in der Kategorie Lyrik.
Sprache als Alge an Land, die sich über die Ränder der Dinge ausbreitet: Worum geht es in Nea Schmidts Debütband Sprechen in Flechten? Um alles! Also um nichts? Nein, um das Verwischen, um ein Verwachsen mit den Schwestern, um ungefestigte Identität, oder vielleicht um ein verflochtenes, sich ständig änderndes Sein. In den Begriff der Flechte schleicht sich - wie ein Parasit, oder wie ein Zweifel, als Befall - das Flechten ein, eine traditionell als weiblich bezeichnete Kulturpraxis. Sprache als Gewebe, Liebe als Laufmasche. Kategorisierungen werden immer wieder angedeutet, nur um sie dann zu unterlaufen, indem sich das lyrische ich oder dessen Sprache - oder doch die Welt sich dem lyrischen ich? - als Flechte darstellt: als eigenständige, fremde oder sogar unheimliche Lebensform, als symbiotische Gemeinschaft, die verschiedenste Materien besiedelt. Begriffe domestizieren, dedomestizieren. Sprechen in Flechten stellt sich als rastlose Denkbewegung dar, die eine poetische Position innerhalb eines anthropomorphen Verhältnisses einnimmt, in dem sich Natur spaltet, kultiviert, entfremdet, wiederbegegnet und reibt. Aus dieserReibung entstehen Gedichte: wuchernd, das Wuchern ordnend, die Ordnung überwuchernd usw.