Lesung: Nea Schmidt, Nina Temann, Liv Thastum
Moderation und Kuratierung: Yevgeniy Breyger
Auf Einladung von Yevgeniy Breyger (zuletzt: hallo niemand. Ein Roadtrip in Versen, Suhrkamp) lesen drei vielversprechende junge Lyrikerinnen aus ihren Debütbänden. Nea Schmidt, Mitbegründerin des Lyrikkollektivs fährten und Open Mike 2025 Gewinnerin in der Kategorie Lyrik, stellt Sprechen in Flechten (kookbooks) vor. Darin geht es ihr um das Verwischen, um ein Verwachsen mit den Schwestern, um ungefestigte Identität, oder vielleicht um ein verflochtenes, sich ständig änderndes Sein. In den Begriff der Flechte schleicht sich – wie ein Parasit, oder wie ein Zweifel, als Befall – das Flechten ein, eine traditionell weibliche Kulturpraxis. Sprache als Gewebe, Liebe als Laufmasche.
Mit dem Band „oh augen, eigene oper” (poetenladen Verlag) versammelt Nina Temann Gedichte, in denen die Position der Betrachterin zugunsten eines sprachlichen Tastens und behutsamen Sich-Annäherns aufgehoben ist. Erinnerung und Wahrnehmung, Körper und Umwelt, Außen und Innen schieben sich ineinander, und immer wieder öffnet sich ein Fischmaul an der Oberfläche des Flusses. Nina Temann, geboren in Leipzig, studierte Geographie in Wien und Halle sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie ist ebenfalls Mitglied des Lyrikkollektivs „fährten” und wurde 2022 mit dem Klopstockpreis für junge Lyrik ausgezeichnet. Seit 2024 studiert sie am Institut für Sprachkunst in Wien. Sie liest aus oh augen, eigene oper (poetenladen).
Liv Thastum, geboren 1997 in Berlin, schreibt Gedichte, Essays und szenische Texte auf Deutsch, Dänisch und zwischen den Sprachen. Sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, Biel und Berlin. Ihre Texte wurden in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften im deutschen und skandinavischen Raum veröffentlicht und performt. 2024 wurde sie mit dem Wortmeldungen Förderpreis ausgezeichnet. Ihr Debüt åben die erda gräbt Wege zu Orten, die von gewaltsamen Eingriffen in Landschaft und Sprache gezeichnet sind. Orte, die mehr als eine Sprache kennen. Drei Langgedichte schieben sich über die Landkarte. Es beginnt mit einem Riss.
An der Jammerbugt im Nordwesten Dänemarks hat sich Geschichte in die Kalkfelsen eingeschrieben, die nun vorsichtig herausgebrochen wird. Dann kann der Abstieg beginnen, hinein in die Sagenwelt der Unterirdischen, in eine tiefere, mythische Vergangenheit an der deutsch-dänischen Grænze. Wer den Unterjordisken hinunter folgt, landet im Zukunfts- und Ursprungsort der Språche selbst: dem Krustengrund.